Soziale Netzwerke: Datenschutz mangelhaft
Stiftung Warentest führte nun ihre bislang größte Untersuchung zum Datenschutz in sozialen Netzwerken durch und kam zu dem Ergebnis, dass acht von zehn der geprüften Netzwerke deutliche und erhebliche Mängel bei der Datensicherheit oder dem Schutz der Privatsphäre der Nutzer zeigen. Hubertus Priums, der Bereichsleiter Publikationen des Instituts monierte, dass besonders bei den analysierten Online-Gemeinschaften mit Sitz in den USA der europäische Ansatz zum informationellen Selbstbestimmungsrecht auf der Strecke bleibt. Beispielsweise setzte das US-Netzwerk LinkedIn etwa ein 68 Jahre gültiges Browser-Cookie. Zudem informiere es nicht über die Speicherdauer von IP-Adressen. Damit ist für ihn klar, dass es sich eindeutig um eine Vorratsdatenspeicherung handelt.
Die Analyse erscheint in der April-Ausgabe der Zeitschrift. Hierfür wählten die Prüfer zehn Netzwerke aus. In erster Linie sind darunter alle deutschsprachigen Plattformen mit mehr als 100 000 Nutzern pro Tag. Jappy, wer-kennt-wen, Lokalisten und Schüler- und StudiVZ aus dem Holtzbrinck-Verlag zählen dazu. Zusätzlich kamen die US-Plattformen Facebook und auch MySpace hinzu und auch das Business-Netzwerk Xing und sein US-Pendant LinkedIn.
US-Netzwerke lehnen Hackerangriff mit Erlaubnis ab
Primus bezeichnete die Ergebnisse als sehr durchwachsen. Vor allem der Stand der Datensicherheit ist als sehr schlecht einzuschätzen. Nur sechs der Probanten hatten eine Einwilligung für einen Hackerangriff mit Erlaubnis gegeben. Keines der US-Netzwerke und auch Xing haben zugestimmt, was natürlich zu einer Abwertung des Portals wegen mangelnder Transparenz geführt hat. Zwar haben Jappy, wer-kennt-wen und Stayfriends eingewilligt, jedoch ein „mangelhaft“ kassiert. Für gerade mal ein „ausreichend“ hat es bei den VZ-Seiten und den Lokalisten gereicht. Besonders bedenklich ist, dass die Daten beim Einloggen mit Benutzernamen und Passwort unverschlüsselt übermittelt wurden. Dies ist ein Aspekt bei dem die Betreiber ganz dringend nachbessern müssten, so Primus.
Anderes Verständnis von Datenschutz
Bei der Beachtung von Nutzungs- und Verfügungsrechten konnten die VZ-Portale und Jappy mit „sehr gut“ punkten und Xing erhielt ein „gut“. Geprüft wurde in diesem Bereich ob der Anwender auch der Eigentümer seiner Daten bleibt, ob Verwertungsrechte an den Anbieter übergehen und auch wie die Persönlichkeitsrecht gewahrt werden. Für Primus lässt sich dies aber auch mit dem Abmahnaktion des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale im vergangen Jahr begründen. MySpace und Facebook erhielten an dieser Stelle „mangelhaft“. Ähnlich wie bei LinkedIn herrsche hier ein ganz anderes Verständnis von Datenschutz als auf dem alten Kontinent, sagte Primus. Deutlich besteht hier der Deal, dass der Anbieter die Plattform für den User zur Nutzung bereitstellt und dieser im Gegenzug seine Daten hergibt, damit der Anbieter hiermit Geld machen kann. Wenn dabei dann die Daten und Informationen der Nutzer an Dritte im außereuropäischen Ausland weitergegeben werden, wird damit dem Missbrauch Tür und Tor weit geöffnet. Bei Facebook ist dies vor allem bei den Spielen, wie beispielsweise Farmville oder Mafia Wars, der Fall. Die US-Anbieter behalten sich sogar die geistigen Eigentumsrecht aller Beiträge und Inhalte der Nutzer vor.
Das komplette Test-Ergebnis mit allen genauen Erläuterungen ist in der Ausgabe im April zu lesen. Nur so viel steht schon jetzt fest: Der Umgang mit privaten Daten durch die Anbieter der sozialen Netzwerke ist mehr als erschreckend.
Autor: Alfred
Geschrieben am: Donnerstag, den 25. März 2010

Am 7. April 2010 um 13:31 Uhr
Die Bewertung sähe viel besser aus, wäre da nicht eine Sicherheitslücke im Auto-Login gewesen. Über eine Bruteforce-Attacke war es tatsächlich möglich, sich Zugriff zu Nutzer-Accounts zu verschaffen – genügend Zeit und Rechenpower vorausgesetzt. Anfang Januar hat Stiftung Warentest Jappy darüber informiert und die Lücke konnte innerhalb von nur 20 Minuten geschlossen werden.