Das moderne Orakel
Wer Antworten sucht und nicht weiß wer die Antwort weiß, hat im antiken Griechenland das Orakel von Delphi befragt. Die Frage formuliert und gestellt und sich von der Antwort der von den Dämpfen der Erdspalte in Trance versetzten Priester überraschen lassen. Die Antworten waren – kaum überraschend – nicht immer klar und erforderten Deutung. Auch wer heutzutage nach Antworten im Netz sucht, tut gut daran, beim Lesen all der Informationen einige Vorsicht walten zu lassen. Je nach Anbieter des Inhalts und Zweck der Publikation kann sowohl die Qualität als auch der Wahrheitsgehalt der Beiträge äußert stark schwanken.
Das Selbstdarstellungsbedürfnis des durchschnittlichen Internetbenutzers scheint unendlich zu sein. Soziale Netzwerke profitieren wohl mit am stärksten davon, dass es ein natürliches Bedürfnis des Menschen zu sein scheint, sich ins rechte Licht zu rücken und ein Bild von sich zu erschaffen, das mit der Realität nicht zwingend etwas zu tun haben muss.
Der berühmte Senf
Ähnlich ist das auch bei Fragen des täglichen Lebens oder Informationen für dessen Beschaffung eigentlich Experten vorgesehen sind. So finden sich schon mal ellenlange Forumbeiträge zu medizinischen Fragestellungen, ohne dass auch nur einer der gefühlten tausend Meinungsgeber – und initial auch nicht der Fragende – auf die Idee kommt, schlicht und einfach einen Arzt zu fragen.
Demokratisches Wissen
Oft kann der Abgleich mit Meinungen im Internet eine Art persönliche Mini-Umfrage sein. Erfahrungen die viele gemacht haben, erscheinen als „normal“ und beruhigen den Informationssuchenden vielleicht erstmal. So weiß man endlich, dass Mückenstiche bei allen Menschen jucken und dass sie sogar bei mindestens fünf anderen Usern auch die Größe eines 2-Euro Stücks annehmen. So weit ist die Internetrecherche harmlos. Wer aber für bare Münze nimmt, was selbst ernannte Experten in Blogs und Foren, Expertenportalen und Interessenseiten schreiben, gerät in große Gefahr sich auf völlig falsche Informationen zu verlassen.
Wie erkennt man Qualität?
Bei der Fülle der Angebote ist es schwierig zu erkennen, welche Beiträge wirklich gut recherchierte und seriöse Informationen zur Verfügung stellen. Unterhaltsame Posts und Einträge sind meist gut von Ratgeberseiten zu unterscheiden. Forumbeiträge sollte man grundsätzlich mit Vorsicht genießen, sonst kann man auch eine Diskussion zum Thema mit dem zufällig anwesenden Publikum im Supermarkt eröffnen. Meist hilft bei Seiten, die Interessengemeinschaften vertreten (oder vertreten wollen), ein Blick auf die „Über Uns“ Seite. Sinn und Zweck der Seite lassen sich oft schon daraus erschließen, wer hinter dem Informationsangebot steht. Bei Nachrichten immer mehrere Meinungen einholen. Seiten, deren Texte vor Werbung überquellen sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht online gegangen um uneigennützig Informationen für die Allgemeinheit bereit zu stellen. Als aufmerksamer Leser erkennt man vielleicht auch schon am Ton, ob hier wirkliches Wissen hinter steht und dort vielleicht nur leeres Gerede.
Den Spaß am Surfen muss man sich nicht nehmen lassen, aber die Frage “Wem nützt es?” im Hinterkopf zu behalten, kann insbesondere einem selbst nutzen.
Autor: Alfred
Geschrieben am: Mittwoch, den 30. Juni 2010
