Nicht alle auf einer Linie
Aktuell wurde eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Online-Sein der Deutschen befasst. Der sogenannte (N)Onliner-Atlas kommt zu dem Ergebnis, dass sehr viele Deutsche noch nicht routiniert im Netz unterwegs sind. Nicht besonders viel sagt die Studie über die Gründe. Unqualifizierte und spekulative Deutungen gibt es dafür reichlich.
Ein Drama in Zahlen
Fast 20 Millionen – so lautet die scheinbar horrende Zahl derer, die nicht online sind. Ausgehend von allen Deutschen über 14 Jahre. Das muss einen, angesichts der immer höheren Präsenz der neuen Medien und der Tatsache, dass man sich schon fast altmodisch fühlt, wenn man nicht alle neuen Dienste des Web nutzt und nicht mit seinem Mobiltelefon online gehen kann, doch sehr wundern. “Schlimmer noch!” findet der Tagesspiegel, dass der Anteil derer, die sich sicher im Netz bewegen nur noch sehr langsam wachse. Damit teilt diese Zahl das Schicksal zahlreicher anderer Zahlen bei Beobachtungen zum (Markt-)zuwachs.
Geht’s noch „schlimmer“?
Statistiken sind ja so eine Sache. Denn die Ergebnisse der Studie wirken kaum dramatisch, wenn man sich die Bevölkerungszahlen in Deutschland genauer anschaut und dabei schon bald herausfindet, dass von dieser Grundgesamtheit fast die Hälfte der Menschen über 45 Jahre alt ist und davon nochmal die Hälfte sogar über 65 Jahre auf dem Buckel hat. Mit etwa siebzehntausend liegt diese Zahl verdächtig nahe an der tatsächlichen Zahl der „Nonliner“. Klar gibt es ältere Menschen die das Internet nutzen, aber selbst die erste, jüngere Altersklasse kann nach meiner Erfahrung getrost zu denen gezählt werden, die sich nicht sicher übers virtuelle Parkett bewegen. Und dass die Zahl der sicheren Nutzer nur langsam wächst, ist bei dem langsamen UND rückläufigen Zuwachs der Bevölkerung auch schnell erklärt.
Erkenntnis: Eingeschränkter Nutzen führt zu eingeschränkter Nutzung
Und mal ehrlich: Wie viele neue Tricks kann ein alter Hund lernen? Und wozu sollen Menschen der letzten und vorletzten Generation vor den Um-die-Dreißigjährigen das Internet denn benutzen? Die Suche nach Informationen nutzt man als Angehöriger dieser Altersgruppe wohl seltener, denn der Brockhaus steht noch im Schrank. Einkaufen geht man lieber in der Stadt und die Social-Networks-Kontakte klickt man nicht an, sondern die sind fein säuberlich im Telefon- und Adressbuch notiert und werden mit einem Griff zum Telefonhörer „gegruschelt“.
Frauen und Technik
Vielleicht ist eine Rückführung der Ausprägung des (N)Onliner Atlas allein auf die Altersstruktur auch eine vereinfachte Darstellung. Wundern muss man sich aber schon, wenn zahlreiche Artikel zu diesem Thema diesem Aspekt keinerlei Aufmerksamkeit schenken und statt dessen rätseln, ob der strukturschwache ostdeutsche Raum zu weniger Nutzung des Internet führt oder die wenige Nutzung des Internet zu schwacher Wirtschaftsentwicklung. Besonders eindrucksvoll erscheint auch die äußerst gewagte These, ob Frauen vielleicht grundsätzlich weniger an fortschrittlicher Technik und deren Nutzung interessiert sind, da die Nichtnutzer scheinbar überwiegend weiblich sind. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie keine Zeit dafür haben, weil sie kochen müssen. An dieser Stelle ein kleiner Verweis!
Autor: Alfred
Geschrieben am: Donnerstag, den 8. Juli 2010
